Klassische Konditionierung - was ist das eigentlich?

Konditionierung ist das, was vom Prinzip her auch alle Menschen durchlaufen.

Die klassische Konditionierung, nach welcher zb Clickertraining funktioniert) wurde durch Iwan Pawlow begründet.

Sie besagt, dass einer natürlichen, meist angeborenen, sogenannten unbedingten Reaktion durch Lernen eine neue, bedingte Reaktion hinzugefügt werden kann.

Bei ihm waren es zb. die Hunde, die direkt vor dem Füttern immer eine Glocke läuten hörten. Und später fingen sie sogar an zu speicheln,wenn nur die Glocke läutete.

Ablauf

Kontrollphase (vor dem Training)

  • Glocken läuten (neutraler Reiz) führt zum Ohrenspitzen (keine spezifische Reaktion)
  • Futter (unbedingter Stimulus/Reiz) führt zu Speichelfluss (unbedingte Reaktion)

Lernphase

  • mehrmalige Paarung von Glocken läuten (neutraler Stimulus/Reiz) + Futter (unbedingter Stimulus/Reiz) + Speicheln (unbedingte Reaktion)

Lernergebnis

  • Glocken läuten (wurde nun zu einem bedingten Stimulus/Reiz) führt zu Speichelfluss (bedingte Reaktion)

Vom Prinzip her lässt sich klassische Konditionierung mit dem Abwerfen von Fliegerbomben im zweiten Weltkrieg vergleichen. In den meisten Fällen ertönte eine Sirene bevor die Bomben abgeworfen wurden, weswegen die Sirenen mit der Angst vor Bomben in Verbindung gebracht wurden.

Selbst beim Ertönen von Sirenen aufgrund eines Probealarms wurde bei den Überlebenden aus dem zweiten Weltkrieg Angst ausgelöst.

Natürlich sollte eine Konditionierung nicht durch Angst erfolgen, sondern wesentlich sinnvoller und hilfreicher im Training ist die klassische Konditionierung eines Signals verbunden mit etwas Schönem (Futter, Spielzeug etc.).

Umsetzung von klassischer Konditionierung im Hundetraining

Wir nutzen im Training sehr viel den Clicker bzw ein Markerwort.

Der Clicker also das Clickgeräusch oder unser Markerwort sind ein sekundärer Verstärker.

Dies bedeutet, dass der Clicker bzw das Clickgeräusch/Markerwort allein für den Hund keinerlei Bedeutung hat.

Unsere Hunde müssen also erst eine Verknüpfung zwischen Clickgeräusch und Belohnung lernen, wir können also nicht erwarten, dass unsere Hunde einfach so auf unser Clickgeräusch reagieren. Wir müssen es ihnen erst beibringen.


Wichtig ist auch zu Bedenken, dass wir natürlich nach einer erfolgreichen Konditionierung auf den Clicker durch diesen die Aufmerksamkeit unseres Hundes durch das Betätigen bekommen, oder aber auch unseren Hund mit dem Clickgeräusch abrufen könnten.

ABER: Dies macht in den Augen der klassischen Konditionierung null Sinn.

Warum? Weil wir uns vorstellen müssen, dass, wenn wir den Clicker betätigen oder unser Markerwort sagen, genau das gemarkert wird, was in diesem Moment passiert.

Stell dir vor jedes Mal, wenn du den Clicker betätigst, machst du ein Polaroid Foto. Und genua das, was du dann auf deinem Polaroid siehst, hast du da gerade bestätigt.

In unserem Beispiel wäre es nun folgendes: Unser Hund rennt weg, ich betätige den Clicker und der Hund kommt in Erwartung auf die Belohnung zurück.

Betrachte ich mir nun mein Polaroid, was sehe ich? Dass mein Hund von mir weg rennt.​

Und das ist nicht das, was ich möchte, denn Hunde zeigen Dinge,die sich lohnen immer öfter und unterlassen Dinge, die sich nicht lohnen.


Was muss ich nun beim Clickertraining beachten?

  • Ich muss beachten, dass ich Übungen wirklich in kleine Detailschritte aufteile, damit mein Hund eine faire Chance hat richtig zu lernen
  • Ich muss mein eigenes Timing immer wieder trainieren
  • Mit dem Clicker oder dem Markerwort kann ich auch ganz zufällige Momente bestätigen, zB wenn mein Hund mich durch Zufall anschaut
  • Hunde​ zeigen Verhaltensweisen, die sich lohnen immer öfter und unterlassen andere Verhaltensweisen, die sich nicht lohnen. Deswegen macht es absolut Sinn dem Hund nicht immer zu sagen, was er falsch macht, sondern vielmehr ihm zu sagen, was er richtig macht, damit er uns das gewünschte Verhalten immer öfter zeigt.

Ich kann aus Erfahrung nur sagen, dass Clicker bzw Markertraining einfach Sinn macht, da die Hunde genau verstehen was sie da tun und vorallem sich den Weg auch mal selbst erarbeiten dürfen und mitdenken dürfen.

Es macht doch viel mehr Spaß den Hunden zu sagen, was sie richtig machen und sie dafür zu bestätigen, als immer zu sagen, was sie in unseren Augen nicht richtig machen.

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Training!

Klassische Konditionierung – was ist das eigentlich und wieso nutzen wir sie im Training?